Zu: Wie in der Psychotherapie Lösungen entstehen - ein Prozessmodell mit Anregungen aus der Literatur- und Filmwissenschaft. Christian Mayer 2016

Sinnfällige (Lösungs-) Strukturen veranschaulichen

Seinen vorangegangenen Büchern ähnlich befasst sich Christian Mayer in seiner aktuellen Publikation ’Wie in der Psychotherapie Lösungen entstehen’ mit strukturellen Untersuchungen therapeutischer Lösungsprozesse, wobei er sich speziell in diesem neuen Werk sowohl auf die Literatur- und Filmwissenschaft als auch hoch kompetent stets auf die Arbeit mit Bildern bezieht mit Beispielen aus dem Patientenkontext sowie aus dem Ausbildungs- und Supervisionsgeschehen.

Christian Mayer hat nach einer allgemein gültigen Lösungsgeschichte gesucht und dabei erstaunliche strukturelle Parallelen zwischen den Therapieverläufen in seiner Praxis und den Geschichten aus Literatur und Film gefunden. Das Prozessmodell selbst hier aufzuzeigen, würde den Rahmen einer Rezension sprengen, da die Begriffe und Lösungsstrukturen in der Publikation sehr ausführlich erläutert werden (und dazu gibt es ja auch das Buch). Es geht, ganz grob umrissen, um Ausgangs- und Ankunftsorte sowie um Zwischenräume, die als fragil, als schutzbietend oder als Gefängnis erlebt werden. Der Hilfesuchende durchwandert diese Räume in Krisensituationen - der Therapeut begleitet ihn dabei, erleichtert die Übergänge dazwischen und ermöglicht so eine gelingende Lösungsgeschichte

Ohne großes theoretisches Vorwissen werden diese einzelnen Stationen unmittelbar aus den in Christian Mayers Praxisalltag entstandenen Patienten-Bildern (zu verschiedenen Zeitpunkten der Therapie) evident, weshalb das vorgestellte Modell auch für Kunsttherapeuten interessant ist. Die Bildarbeiten sind schlüssig den jeweiligen Stadien des therapeutischen Prozesses zugeordnet und werden sensibel analysiert. Die Lösungen entstehen nicht in kunsttherapeutischer Arbeit (es werden keine Bildinterventionen präsentiert), doch ergeben sie zusammen mit den Film- und Literaturbezügen ein sinnvolles Ganzes: indem der therapeutische Prozess weitläufig und ganzheitlich eingebunden ist und dennoch der jeweilige Fokus des Lösungsgeschichten-Abschnitts klar herausgearbeitet wird.

Die Abbildungen sind sorgfältig dokumentiert, wie überhaupt das ganze Buch sehr übersichtlich gegliedert und ästhetisch wie sprachlich sorgfältig gestaltet ist: Der Leser kann die Erkenntniswege vielfältig nachvollziehen. Es ist ein Buch, das hohen wissenschaftlichen Ansprüchen genügt und dennoch leicht lesbar ist, das auf einer Metaebene Therapieschulen-übergreifend und grafisch-anschaulich Werkzeuge zur Einordnung der eigenen therapeutischen Arbeit bietet und diese zudem auf Bildstrukturen erweitert. 

 

Prof. Doris Titze

Leitung Aufbaustudiengang KunstTherapie

Hochschule für Bildende Künste Dresden